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Persönliche Schutzausrüstung (PSA) für Elektrofachkräfte

  • Autorenbild: Andreas Dönges
    Andreas Dönges
  • 18. Nov. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Schutz, Normen, Störlichtbogenklassen und Pflege


1. Bedeutung der PSA im Elektrobereich

Elektrofachkräfte und elektrotechnisch unterwiesene Personen (EuP) sind bei Arbeiten an elektrischen Anlagen besonderen Gefährdungen ausgesetzt. Neben dem Risiko des elektrischen Schlags besteht eine erhebliche Gefahr durch Störlichtbögen, die zu schwersten Verbrennungen, Explosionen oder Sekundärverletzungen führen können.


Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) dient dazu, das Restrisiko nach Durchführung der technischen und organisatorischen Schutzmaßnahmen gemäß DIN VDE 0105-100 und der DGUV Vorschrift 3 auf ein vertretbares Maß zu reduzieren.


2. Rechtliche und normative Grundlagen

Die Bereitstellung und Nutzung von PSA ist gesetzlich geregelt durch:

  • Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

  • PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV)

  • DGUV Regel 103-011 („Arbeiten an elektrischen Anlagen“)

  • DIN EN 61482 (VDE 0682-306) – „Arbeiten unter Spannung – Schutzkleidung gegen die thermischen Gefahren eines elektrischen Störlichtbogens“

  • DGUV Information 203-077 – „Auswahl und Einsatz von persönlicher Schutzausrüstung gegen Störlichtbogen“


Der Arbeitgeber ist verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung gemäß TRBS 1111 und TRBS 2131 durchzuführen und auf deren Basis die erforderliche PSA bereit-zustellen.


3. Störlichtbogenklassen und Schutzstufen

Die Schutzwirkung von PSA gegen thermische Einwirkungen eines Störlichtbogens wird in zwei Prüfverfahren klassifiziert:


a) Box-Test nach DIN EN 61482-1-2

Dieses Verfahren simuliert einen gerichteten Störlichtbogen in einer Prüfbox.

Das Ergebnis wird in zwei Schutzklassen unterteilt:

Klasse

Prüfstrom

Einwirkdauer

Anwendung

Klasse 1

4 kA

0,5 s

Grundschutz bei geringen Kurz-schlussleistungen (z. B. Wartung in Verteilungen, Schaltarbeiten bis 400 V)

Klasse 2

7 kA

0,5 s

Höherer Schutz bei größeren Kurz-schlussleistungen, z. B. Industrie-anlagen, Trafo-stationen, Hauptverteilungen

Die Klassifizierung gilt nur für komplette PSA-Systeme, also in Kombination von Jacke, Hose, Handschuhen, Helm mit Visier und Schuhen.


b) Open-Arc-Test nach DIN EN 61482-1-1

Hier wird der Energieeintrag in cal/cm² (ATPV oder ELIM) gemessen. Der Wert beschreibt die thermische Belastung, die die Kleidung ohne Verbrennungen zweiten Grades aushält.


Typische Energieklassen:

Kategorie (NFPA 70E)

Energieeintrag (ATPV/ELIM)

Schutzwirkung

CAT 1

≥ 4 cal/cm²

Grundschutz bei geringen Risiken

CAT 2

≥ 8 cal/cm²

Arbeiten an Schaltanlagen bis 400 V

CAT 3

≥ 25 cal/cm²

Arbeiten an Mittel-spannungsanlagen

CAT 4

≥ 40 cal/cm²

Hochrisikobereiche (z. B. Trafostationen, Hochspan-nungsschaltfelder)

4. Tragepflicht – Wann muss PSA getragen werden?

PSA gegen Störlichtbogen muss immer dann getragen werden, wenn aus der Gefährdungsbeurteilung hervorgeht, dass trotz technischer und organisatorischer Maßnahmen eine Restgefahr besteht.


Typische Einsatzsituationen:

  • Schaltarbeiten an Niederspannungsanlagen (< 1 kV)

  • Arbeiten im Bereich von offenen Schaltanlagen, Verteilungen und Schienen

  • Fehlersuche unter Spannung (Arbeiten nach DIN VDE 0105-100, Abschnitt 6.3)

  • Wartungsarbeiten in Trafostationen oder Schaltfeldern

  • Prüfarbeiten mit möglichem Kurzschlussrisiko


Für spannungsfreie Arbeiten mit freigeschalteter, gesicherter und geerdeter Anlage ist in der Regel keine PSA gegen Störlichtbogen erforderlich, wohl aber Grund-PSA (Sicherheitsschuhe, Schutzhelm, Handschuhe etc.).


5. Komponenten einer vollständigen PSA gegen Störlichtbogen

Eine vollständige, normgerechte PSA besteht typischerweise aus:

  • Lichtbogenschutzkleidung (Jacke/Hose oder Overall, flammhemmend, VDE-geprüft)

  • Helm mit Gesichtsschutzvisier (transparent, arc rated)

  • Isolierende Schutzhandschuhe (ggf. mit Lederüberhandschuh)

  • Sicherheitsschuhe (elektrisch isolierend, antistatisch, hitzebeständig)

  • Unterkleidung aus flammhemmendem Material (keine Kunstfasern wie Polyester oder Polyamid)


Wichtig: Nur komplett geprüfte PSA-Systeme gewährleisten den zertifizierten Schutz. Einzelteile unterschiedlicher Hersteller dürfen nicht beliebig kombiniert werden.


6. Pflege- und Instandhaltungshinweise

Die Schutzwirkung der PSA kann durch unsachgemäße Pflege stark beeinträchtigt werden.


Wichtige Grundsätze:

  • Pflegeanleitung des Herstellers strikt befolgen

  • Keine Weichspüler, Bleichmittel oder optischen Aufheller verwenden

  • Industrielle Wäsche nur mit zertifizierten Waschverfahren (EN ISO 15797)

  • Regelmäßige Sichtprüfung auf Beschädigungen, Ausbleichungen, Risse oder Brandspuren

  • Defekte PSA sofort aussortieren – Reparaturen dürfen nur vom Hersteller oder zertifizierten Fachbetrieben durchgeführt werden

  • Trocknung: bei Raumtemperatur, nicht im Trockner (Hitzeschäden möglich)

  • Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit jeder PSA-Komponente sicherstellen


Fazit

PSA für Elektrofachkräfte ist kein Ersatz für technische Schutzmaßnahmen, sondern die letzte Sicherheitsbarriere im Falle eines Fehlers. Die Wahl der richtigen Stör-lichtbogenklasse erfolgt immer auf Basis der Gefährdungsbeurteilung und der Kurz-schlussleistung der Anlage. Nur korrekt gepflegte und regelmäßig geprüfte PSA kann im Ernstfall den notwendigen Personenschutzgewährleisten und Leben retten.

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Andreas Dönges
Als Sachverständiger und ehemalige Gesamtverantwortliche Elektrofachkraft liegt es mir am Herzen, praxisnahes Wissen zu Elektrosicherheit und verantwortungsvoller Führung weiterzugeben.
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