Gefahr Störlichtbogen - Was Elektrofachkräfte wissen müssen
- Andreas Dönges

- 11. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Störlichtbogen
Entstehung, Risiken und Schutzmaßnahmen für Elektrofachkräfte
„Ein Lichtbogen dauert nur Millisekunden – die Folgen ein
Leben lang.“
Kaum ein Ereignis in der Elektrotechnik birgt so extreme Gefährdungen wie der Störlichtbogen – und er entsteht schneller, als man reagieren kann.
Der Störlichtbogen zählt zu den gefährlichsten Ereignissen in elektrischen Anlagen. Inner-halb weniger Millisekunden entstehen extreme Temperaturen, Druckwellen und Strahlungs-energien, die selbst erfahrene Elektrofachkräfte schwer verletzen oder töten können. Dieser Beitrag erläutert die Entstehung eines Störlichtbogens, zeigt die typischen Gefährdungen auf und stellt die wichtigsten Normen und Schutzmaßnahmen vor.
Was ist ein Störlichtbogen?
Ein Störlichtbogen ist ein ungewollter, hochenergetischer Lichtbogen zwischen ak-tiven Teilen einer elektrischen Anlage oder zwischen aktiven Teilen und Erde. Er ent-steht, wenn Luft als Isolationsstrecke versagt – häufig ausgelöst durch Verschmutzung, Be-schädigungen, fehlende Wartung oder men-schliches Fehlverhalten.
Ein solcher Lichtbogen erreicht Tempera-turen von bis zu 20.000 °C, wodurch Metalle in Millisekunden verdampfen und ein hoch-gefährliches Gemisch aus Hitze, Plasma, UV-Strahlung und Druck entsteht.
Wie entsteht ein Störlichtbogen?
Die Ursachen sind vielfältig, doch typische Auslösemechanismen sind:
Fehlerhafte oder unvollständige Schalthandlungen
Kontakt von Werkzeugen oder Körperteilen mit unter Spannung stehenden Teilen
Verschmutzungen, Feuchte oder Staubablagerungen, die Kriechstrecken verringern
Alternde oder beschädigte Isolierungen
Falsche Montage, lose Leitungsverbindungen oder defekte Klemmstellen
Kurzschlüsse infolge mechanischer Einwirkung
Normativ wird die Gefahr durch verschiedene europäische und nationale Regelwerke
klar beschrieben:
DIN VDE 0105-100 Betrieb von elektrischen Anlagen (Gefährdungsbeurteilung, Arbeitsmethoden)
DGUV Regel 103-011 Sicheres Arbeiten an elektrischen Anlagen
EN 61482-1-1 / EN 61482-1-2 Schutzkleidung gegen thermische Gefahren eines Störlichtbogens (ATPV, ELIM, APC)
Gefährdungen und Folgen für Elektrofachkräfte
Der Störlichtbogen wirkt auf den Menschen in mehreren Dimensionen gleichzeitig:
1. Thermische Belastungen
Die extrem hohen Temperaturen können in kürzester Zeit schwere Verbrennungen verur-sachen. Selbst robuste Arbeitskleidung entzündet sich oder schmilzt. Werkzeuge und Ge-häuseteile können verdampfen und als heiße Partikel auf den Körper treffen.
2. Druckwelle
Lichtbogenexplosionen erzeugen eine massive Druckwelle, die Gehörschäden, Knochen-brüche oder ein Wegschleudern der betroffenen Person verursachen kann.
3. Strahlung und Metallspritzer
Intensive UV- und IR-Strahlung schädigt Haut und Augen. Verdampfte Metallpartikel führen zu tiefen Verbrennungen und setzen giftige Dämpfe frei, die langfristige Atemwegsschäden verursachen können.
4. Langfristige Folgen
Neben physischen Verletzungen können psychische Traumata, lange Ausfallzeiten und erhe-bliche wirtschaftliche Schäden entstehen.
Normen und Regelwerke: Was ist verpflichtend?
Ein sicherer Umgang mit elektrischen Anlagen erfordert klare Prozesse und die Einhaltung etablierter Standards:
DIN VDE 0105-100
Regelt den Betrieb elektrischer Anlagen, Gefährdungsbeurteilungen und die 5 Sicherheits-regeln.
DGUV Regel 103-011
Gibt spezifische Vorgaben für Arbeiten an oder in der Nähe von elektrischen Anlagen.
DGUV Vorschrift 3 & DGUV Vorschrift 1
Regeln Prüfpflichten von Arbeitsmitteln sowie Pflichtunterweisungen und organisatorische Maßnahmen.
EN 61482-1-1 / -1-2
Legt Prüfverfahren und Klassifizierungen für persönliche Schutzausrüstung (PSA) gegen Störlichtbögen fest (ATPV, ELIM, APC).
Schutzmaßnahmen zur Minimierung des Risikos
Ein Störlichtbogen ist technisch nicht immer vollständig vermeidbar, doch sein Risiko und seine Auswirkungen lassen sich deutlich reduzieren.
1. Gefährdungsbeurteilung
Vor jeder Tätigkeit muss eine risikobasierte Bewertung gemäß VDE 0105-100 durchgeführt werden. Die Höhe der potenziellen Störlichtbogenenergie bestimmt die notwendige PSA.
2. Arbeiten im spannungsfreien Zustand
Die Einhaltung der 5 Sicherheitsregeln ist die effektivste Präventionsmaßnahme. Arbeiten unter Spannung sollten nur in absolut notwendigen Ausnahmefällen erfolgen und erfordern besondere Qualifikation.
3. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
PSA muss gemäß EN 61482 zertifiziert und auf die ermittelte Störlichtbogenenergie abge-stimmt sein. Dazu gehören:
Lichtbogenschutzkleidung (ATPV/ELIM/APC)
Schutzhauben, Helme und Gesichtsschutz
Handschuhe und Sicherheitsschuhe
4. Organisatorische Maßnahmen
Regelmäßige Unterweisungen
Prüfungen elektrischer Arbeitsmittel (DGUV V3)
Einhaltung von Arbeitsanweisungen und Freigabeprozessen
5. Technische Maßnahmen
Wartung und Reinigung von Anlagen
Einsatz von Lichtbogendetektionssystemen
Kurzschlussfeste Konstruktion und geeignete Schaltgeräte
Fazit
Der Störlichtbogen ist eine der schwerwiegendsten Gefahren im Arbeitsalltag von Elektro-fachkräften. Durch das Zusammenspiel aus extremer Hitze, Druck und Strahlung kann er bin-nen Millisekunden lebensbedrohliche Verletzungen verursachen. Die konsequente Anwen-dung von Normen, die richtige Schutzkleidung und präzise Arbeitsmethoden sind entschei-dend, um Risiken zu minimieren.
Sicherheit entsteht durch Wissen, Verantwortungsbewusstsein und die richtige Ausrüstung – jeden Tag und bei jedem Handgriff.












Kommentare